Ito-Sensei: "Manchmal sehe ich Deutsche, die ganz plötzlich eine Möhre aus der Tasche ziehen und so essen. Und dann denke ich mir "Warum tust du das?? Bist du eine Kuh???"
Überhaupt... eigentlich mein Lieblingsunterricht, weil der Lehrer extrem witzig ist. Vielleicht ein bisschen freakig. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wie wir auf obiges Thema gekommen sind, aber ich glaube er wollte uns ein Synonym für das Wort "unerwartet" erklären.... Im Unterricht gucken wir gerade einen chinesischen Mafia-Film, der in Thailand spielt und in dem Japaner vorkommen und dabei lernen wir alle möglichen Ausdrücke, die in keinem Wörterbuch zu finden sind, und vom Lehrer mit "totaler Slang" (すごっくスラング) angekündigt werden. Unter anderem notieren wir, wie man auf Japanisch sagt: ein stürmisches Leben führen (波乱万丈の人生), einen Fisch bis auf die Gräten abknabbern (魚をさばく) oder wie man Unis bezeichnet, zu denen verwöhnte, dumme Studenten gehen ボンボン大学 für
Unter anderem kündigt Ito-Sensei auch Events in Kobe an, malt uns sogar Skizzen mit Wegbeschreibungen an die Tafel, sagt dann aber selbst "Also ich geh da ja nicht hin." und fügt für den weiblichen Teil hinzu "Bei diesem Event müsstet ihr sicher über 1 Stunde für die dreckigen Dixie-Klos anstehen, überlegt euch das gut!" All diese Sachen haben natürlich wenig mit dem Film selbst zu tun, aber egal... Ito-Sensei ist toll!
Die anderen Kurse habe ich übrigens extremst vernachlässigt und überwiegend im Umgang mit Japanern außerhalb des Unterricht Fortschritte gemacht, wie ich behaupte. :D
Weitere Auffälligkeiten in Japan:
Japaner und das "Gehen"
"Gehen" muss man dabei wirklich in Anführungszeichen setzen... fast alle Austauschstudenten haben es bisher bemerkt und nicht wenige in ihren Blogs darüber berichtet, aber es verdient auch eine Erwähnung an dieser Stelle. Fakt ist: Japaner gehen nicht. Sie "schlurfen" oder "schleifen" oder "ziehen" ihre Schuhe hinter (vor?) sich her. Entweder sie tragen Schuhe, die mindestens 2 Nummern zu groß sind (vorzugsweise mit hohem, hässlichen Absatz auf dem sie umknicken - aua!! schnell weggucken!) oder sie setzen ihre eh schon krummen Beinchen über kreuz und staksen noch unbeholfener durch die Gegend; im schlimmsten Fall gibt es beides auch als Kombi. Weil es ist ja niedlich oder weiblich wenn man so rumläuft (an diese Stelle setze ich aufgrund nicht logischer Erklärung ein vorsichtiges Fragezeichen)? Mal ehrlich, die müssen doch später ernsthafte Haltungsschäden haben!!
Eine andere Frage in diesem Zusammenhang ist: warum rennen Japaner ständig??? Egal wohin... den Berg runter geht man eh schon schnell, aber Japaner rennen dann noch schneller hinunter, schlurfen unten angekommen aber wieder durch die Gegend und nerven wenn sie in der Fußgängerzone im Weg stehen oder auf dem Bürgersteig plötzlich stehenbleiben, weil der Akku vom Handy in der Hand den Geist aufgibt und ihre Welt (welche?) zusammen bricht. Nunja, aber zum Glück haben Japaner (und Koreaner) immer und überall ihr Ladegerät dabei und Steckdosen gibt es sogar neben den Waschbecken auf der Damentoilette in der Uni... Auch die Postboten oder sonstigen Lieferanten - kaum haben sie die Autotür zugeschlagen, rennen sie zum Hauseingang und wenige Sekunden später genauso schnell zum Wagen zurück. Wenn mein Postbote in Hamburg sich so beeilen würde in den 4. Stock zu laufen, und aus Faulheit nicht den gelben Zettel zum Selbstabholen einwirft, bin ich bereit mein Bild über Service-Selbstverständlichkeiten zu revidieren.
Noch eine Erwähnung verdient auch die Unfähigkeit von Japanern - trotz ihnen angedichteter Höflichkeit - Leuten nicht nur wörtlich sondern auch körperlich auszuweichen. Jaja, das klingt jetzt komisch, aber mal ehrlich, wem ist es noch nicht passiert, dass er/sie Japanern auf der Straße im letzten Moment ausweichen musste. Ich habe den Eindruck, dass Japaner viel später ausweichen als beispielsweise Deutsche. Liegt es am Handy in der Hand, von dem sie sich selbst auf der Straße nicht losreißen können, oder wollen sie keinem Gegenüber aus Versehen ins Gesicht gucken? Oh Schreck, es könnte ja ein Ausländer sein! Am schlimmsten ist das übrigens im Supermarkt. Wie kann man bloß seelenruhig mit einem hässlichen, sperrigen Einkaufstrolley plus Einkaufskorb über'm Arm im Weg rumstehen und mich so extrem reizen?? In Japan muss man sich in Geduld üben. Nicht nur mit schlurfenden Japanern im Supermarkt mit engen Gängen zwischen den Regalen... Lustig war es auch heute im Buchladen... je näher man dem Mitarbeiter kommt, desto eher liest er eine Frage in meinen Augen und ich die Panik in den seinen. Nett grinsen, japanisch reden und (meistens) bekommt man doch eine Antwort... Leider hatten sie das gewünschte Buch nicht und ich musste mich mit einem neuen Kalender und einem Frust-Buch mit dem Titel "日本人の知らない日本語" ("Japanisch, dass selbst Japaner nicht kennen") zufrieden geben.
Weitere Kuriositäten: Kompliziertheit
Japan ist kompliziert. Japaner sind kompliziert. Die Systeme der Japaner sind kompliziert. Na gut, vieles wird einem abgenommen, zum Beispiel die elektronische Ticket-Karte die man aufladen und dann schnell und bequem durch die elektronischen Ticketgates gehen kann, ohne sich immer ein Ticket am Automaten kaufen zu müssen.
Ein anderes Beispiel ist, dass man seine Stromrechnung oder Bus-Tickets im Konbini bezahlen kann. Ah moment... Internet-Banking? Das scheint hier erst im Kommen zu sein (glaube ich). Wieso auch sollte ich ein Ticket über's Internet buchen aber nicht online mit Kreditkarte bezahlen, es selbst nicht ausdrucken können und letztendlich doch noch mal den Berg runter zum Konbini latschen müssen. Man merkt also, im System gibt es Lücken...
Eine weitere Unerklärlichkeit ist das Kopier-System der Uni. Vielleicht habe ich das früher schon mal in einem Blog-Eintrag erwähnt, egal... Es gibt für mich nur einen Grund Bücher oder sonstige Zettel auf Zeichenblockgröße zu kopieren und der ist es, Kanji besser lesen zu können (es geht dabei natürlich nur um das bessere Erkennen eben dieser, nicht darum, dass ich dann besser raten kann als ich vorher schon tue). Es ist soooo unpraktisch diese riesigen Zettel zu bekommen und nicht richtig irgenwo abheften zu können. Gerne wird auch überkreuzt kopiert, d.h. auf der Rückseite befindet sich dann gar nicht die folgende Seite sondern die über-über-nächste-sonst was Seite. Vielleicht heuern aber auch alle Lehrer einfach nur ein paar dumme Mittelschüler an, die einen dummen Kopier-Nebenjob haben und in der ungünstigen Dummheiten-Konstellation keine intelligenten Werke mehr bewerkstelligen können?
Oft, wenn ein Lehrer am Ende der Stunde fragt, ob es noch Fragen gibt, will ich nach den Zeichenblöcken fragen, die hier alle benutzen, aber da ich mich ja in Geduld üben muss, wird dieses Mysterium wohl nie aufgeklärt werden. Falls nachfolgende Kobe-Uni-Generationen diesen Blog verfolgen, mögen sie an meiner Stelle in einem passenden Augenblick doch einmal Nachforschungen anstellen und mir die Ergebnisse mitteilen :D
Andere Sachen, die mich neben geh-unfähigen Japanern an den Rand der Verzweiflung bringen sind die Zahlen hier. Ich mag sprachbegabt sein, aber mit Zahlen kann ich nichts anfangen, in Fremdsprachen erst recht nicht. Und Japan ist da ganz fies und so gibt es zig tausend verschiedene Zählwörter für diverse Objekte: für flache, lange, dünne, kleine ... Dinge; verschiedene Zahlwörter für Tiere die nach Größe variieren können und so weiter. Nicht so einfach wie im Deutschen: 1 Mücke, 1 Elefant. Huch, ein Witz!? ... und da wir gerade bei der Zahl 1 sind. Das ist auch so eine Macke der Japaner... warum auch immer, aber die 1 schreibt man hier ein bisschen anders als man es vielleicht gewohnt ist. Man lässt nämlich den Haken bei der 1 weg und schreibt einfach nur einen langen Strich der aussieht wie ein großes i. Schreibt man die 1 wie gewohnt, könnte das als 7 missinterpretiert werden und bringt einem bei Vertragsabschlüssen in den Wahnsinn - also, Achtung für zukünftige Austauschstudenten!
Wie dem auch sei.... trotz Nörgelei und immer noch bestehenden Rätseln habe ich mich mittlerweile sehr gut in Japan eingelebt und nach einem sehr vollgepackten Dezember ist mein Plan für's neue Jahr erst mal keine Pläne zu haben. Der Vorsatz wurde un-überraschenderweise bereits zunichte gemacht, aber an einem Rest kann ich, denke ich, noch festhalten. So habe ich gestern und vorgestern abend einfach mal gar nichts gemacht und überraschend festgestellt wie gut das tut. Das letzte Mal war vielleicht im November? Ansonsten tauchen ab und zu Zukunftsfragen am Rande meines Bewusstseins auf, die ich aber im Moment noch effektiv verdrängen kann. Fest steht, dass ich noch 3 Klausuren zu schreiben habe, eigentlich keine Kurse mehr und dann nur noch die Bachelor-Arbeit ansteht; grob im September wäre ich dann so ziemlich "fertig". Hilfe!
Das macht mir alles Angst, ich gehe jetzt im Onsen planschen :)
Auf bald und dann gibt es aber wirklich, wirklich Berichte über Korea und meine Tokyo-Reise!
Wichtige Wörter des Tages:
仕事 しごと shigoto = Arbeit (in einer Firma o.ä.)
アルバイト arubaito = leitet sich vom deutschen Wort "Arbeit" ab, meint aber Nebenjob
社会人 しゃかいじん shakaijin = sind quasi Leute, die fest arbeiten (wer die Uni abschließt wird in der Regel shakaijin indem er in eine Firma eintritt).
Ein weiteres sehr wichtiges Wort in dem Zusammenhang ist:
就職活動 しゅしょくかつどう shushokukatsudo = die Suche nach einem Arbeitsplatz (wird auch Job-Hunting genannt) Oft sieht man Studenten, künftige shakaijin an der Uni in Anzug rumlaufen, die parallel zu ihrem letzten Studienjahr bereits Job-Interviews haben.
Für mich sah das Gehen japanischer Mädchen und Frauen häufig nach watschelnden Enten aus, kann die Ansicht also durchaus bestätigen ^^
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