福井 Fukui liegt nordöstlich von Kobe in der Nähe vom Japanischen Meer. Jenny, eine Kommilitonin von mir studiert dort an der Uni und am langen Wochenende (22.-25.11.) bin ich dann aus dem rauschenden Stadtmeer der Kansai-Region in ländlichere Gefilde geflüchtet. Die Japaner nennen so etwas 田舎 inaka, was grob übersetzt einfach so viel heiß wie tiefste Pampa. Wenn mich jemand auf Japanisch fragt, wo ich aus Deutschland herkomme antworte ich auch immer sehr zutreffend mit diesem Wort.
| wunderschönes Inaka !!! |
Nach Ausschlafen am Freitag sind wir mit dem Fahrrad Richtung Zentrum gefahren, haben uns eine Buddha-Statue angesehen und wollten dann eigentlich zu einem Tempel aus dem 17. Jahrhundert (Daianzen-ji) außerhalb der Stadt. Das Wetter hat leider nicht so mitgespielt und es hat fast die ganze Zeit über geregnet, aber wir haben uns trotzdem in den Bus gesetzt und sind dann mitten in der Pampa wieder ausgestiegen um eine Straßen Richtung Wald hochzulaufen, nicht ganz sicher ob dort wirklich besagter Tempel sein würde. War er, aber schon geschlossen. Das Gelände konnte (durfte?) man trotzdem noch betreten und wir haben zig Bilder vom bunten Herbstlaub gemacht, das auch mit Regen ganz nett aussah, aber die Qualität der billigen Handy-Kamera lässt natürlich zu wünschen übrig.
Fukui ist umgeben von Bergen, die Stadt selbst aber sehr flach; insgesamt also eine sehr ländliche Atmosphäre dort. Das "ländliche" äußert sich zum Beispiel darin, dass es abends auf den Straßen wie ausgestorben ist oder dass es im Bahnhof in Fukui nicht mal richtige elektronische Ticketgates gibt, sondern Menschen in Uniform, die die Tickets noch "old style" mit Hand und Augen kontrollieren.... Dafür gibt es aber auch niedliche Straßenbahnen mit komischen Frauen in Kostümen, die jede Station mit einem Wortschwall Keigo (Höflichkeitssprache) und aufgesetztem Lächeln ansagen und an ver
| Frau in Kostümchen |
In Katsuyama angekommen haben wir dann nach ein bisschen rumfragen den richtigen Bus gefunden, der uns zur Tempel-Anlage bringen sollte. Der umsorgte Busfahrer, den wir zuerst nach der richtigen Linie gefragt haben (es gab nur 2), hat dann dem richtigen Busfahrer noch mitgeteilt, wo die beiden Ausländer denn hinwollen und tatsächlich wurden wir an der richtigen Station abgesetzt (es kam extra eine Durchsage für uns). Und wieder sind wir mit unserem Japanisch erfolgreich weiter gekommen. Ist das schön :)
Angekommen dachten wir zuerst, dass die Tempelanlage vielleicht geschlossen ist, weil kein Mensch zu sehen war, aber es war doch geöffnet und mit derFeststellung, dass die Touristen-Zeit für Japaner vorbei ist haben wir dann den Nachmittag ohne Menschenmassen sehr genossen! Schon wieder ne Tempel-Anlage anschauen klingt irgendwie ganz schön langweilig, aber diese Anlage war schon etwas besonderes und eine der schönsten die ich bisher in Japan gesehen habe. Wahrscheinlich auch einer der neusten. Von einem reichen Schnösel gestiftet, wurde sie erst 1987 erbaut - der Stil ist natürlich alt, die Anlage an sich sieht aber sehr neu bzw. sauber aus. Der Name der Anlage ist 越前大仏 Echizen-Daibutsu. Daibutsu bedeutet großer Buddha und tatsächlich ist die Hauptattraktion der Anlage der 17 Meter große Buddha in einer Halle, an seiner Seite jeweils 2 Beschützer des Buddha und an den Wänden kleinere 1281 schwarze, weiße und goldfarbene Buddha-Statuen. Es wird übrigens auch damit geworben, dass der Buddha dort größer ist als der sehr berühmte Buddha aus dem Todai-ji (Tempel) in Nara, Kansai.Der größenunterschied ist mir ziemlich egal, aber ein Besuch von dieser Anlage in Katsuyama doch sehr empfehlenswert!
Abgesehen vom Buddha gibt es noch eine große Pagode, von der man einen tollen Ausblick hat: mit dem bunten Herbstlaub mit den Bergen im Hintergrund und der Stadt auf der anderen Seite natürlich ein nettes Foto-Motiv :) Schon etwas irritierend, wenn man in einer auf alt gemachten Tempelanlage rumläuft und in der Pagode plötzlich ein hochmoderner Aufzug nach oben führt. Zurück haben wir die Treppen genommen um uns warm zu laufen, aber da lagen nur eklige Kakerlaken rum - vielleicht doch nur eine Art Notausgang für faule Japaner. Und es gab Steckdosen... wtf???!
| kleine Jenny vor großem Eingangstor |
| der große Buddha |
| Laura mit Räucherstäbchen |
| Buddha-Wand |
| Pagode |
| Blick auf Katsuyama von der Pagode aus |
Am Sonntag waren wir zu dritt noch ein bisschen einkaufen und bevor ich dann über 4 Stunden im Bummelzug zurück nach Kobe gefahren bin, haben wir noch zusammen Okonomiyaki gemacht, lecker! Danke danke danke Jenny für die schöne Zeit in Fukui!!! Hier noch ein paar Random-Fotos!
Krebs ist angeblich eine Spezialität in Fukui, haben wir aber leider nicht probiert... in einem anderen Eintrag mehr zu meinen Kochexperimenten!
| Okonomiyaki ! |
| J. und S. im Supermarkt |
| Bier-Geschenkboxen zu Weihnachten (?) |
| Bahnstation in Fukui |
Wohnen oder studieren wollen würde ich in Fukui eher nicht, aber ein Atmosphären- und Stimmungswechsel tat gut.
Beim nächsten Mal dann mehr zu KOREA!
Wort des Tages:
雰囲気 ふんいき - funiki = Atmosphäre, Stimmung




Hm, ich staune das ihr nicht Ehei-Ji (http://samurai-biker.blogspot.jp/2012/05/golden-week-in-fukui.html) besichtigt habt, wo der doch nur 30km von Fukui entfernt ist. Im Gegensatz zum Daianzen-Ji ist Ehei-Ji kein aus Beton nachgebauter "Touritempel", sondern ein von Moenchen bewohntes, lebendiges Kloster mit wunderschoenen, originalen Gebaeuden und die einstudierten Bewegungen der Moenche beim Beten sind einfach zu cool. Sehr empfehlenswert. Naja, naechstes Mal.....
AntwortenLöschen@ coolio: danke für deinen Kommentar! zum Ehei-ji wäre ich auch eigentlich lieber hingefahren, aber die Freundin, die ich dort besuche habe war schon dort, also haben wir einfach etwas anderes rausgepickt. aber ich denke du hast recht, dass es doch wesentlich schönere Tempel gibt, eine "neue" variante zu sehen war aber irgendwie auch interessant..
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